Ein Tag auf Schalke (von Bibiane Niestegge)
"Blau und weiß, wie lieb ich dich!", diese und andere Gesänge ertönen aus einem alten, klapprig wirkenden Gelenkbus aus Altenberge. Wie jeden zweiten Samstag fährt der Schalke Fan-Club "Eurofighter`97" aus Altenberge, einem Dorf im Münsterland, zu einem Heimspiel seines Lieblingvereins. Mit Bier-, Cola-, Wasser- und Fantakisten bewaffnet sitzen rund 40 Mitglieder des Fanclubs in dem noch etwas kalten Bus. Sie tragen - fast alle - ein blau-weißes Trikot, und um den Hals hängt - ebenfalls bei fast allen - ein Schal in den Farben ihrer Lieblingsmannschaft. 

Die Gesänge werden durch eine CD unterstützt, die aus einem alten Lautsprecher ertönt, aber Flaschenklirren, Stimmen und Lachen übertönen die Lautstärke der Musik. Der Lärm stört die Fans aber nicht, "wir kennen die Lieder doch sowieso alle auswendig!", teilt Bernd Hölscher mit, der gerade das Geld für die Busfahrt einsammelt. Mit einer großen schwarzen Geldbörse in der Hand versucht er, sich einen Weg durch den Bus zu bahnen. "Das Einsammeln dauert immer sehr lange, denn man kennt hier einfach jeden und mit jedem hält man einen kleinen Plausch. Meistens über die wahrscheinliche Mannschaftsaufstellung oder über das letzte Spiel!"
Einer jedoch ragt aus der Menge heraus, er trägt, wie viele andere auch ein Trikot in der Vereinsfarben blau und weiß und schwenkt einen Schal in die Luft, auf dem der Name des Fanclubs "Eurofighter `97" steht. Der Vereinsvorsitzende Marcus Gilles, der von allen nur Mäkkes genannt wird, hat wie immer die Busfahrt, Getränke und einige Karten organisiert, "So einen Fanclub zu leiten ist sehr viel Arbeit, bringt aber auch sehr viel Spaß. So schnell werd ich den Sessel des Vorsitzenden nicht aufgeben!" Er ist nicht nur Vorsitzender des Fanclubs, sondern er war es auch, der den "Eurofighter `97" 1997 ins Leben gerufen hat und seit jeher nicht nur die Fahrten zu den Heimspielen organisiert, sondern sich auch was für die kleinen Fans überlegt. So gestaltet er mit Hilfe anderer Erwachsener aus dem Fanclub ein bis zweimal im Jahr eine Familienfahrt zu einem Heimspiel des Schalker Vereins, sodass auch die Kleineren auf ihre Kosten kommen. "Man muss ja den Nachwuchs fördern!", sagt er mit einem kleinen Grinsen auf dem Gesicht.
Dann fängt er an mit seiner lauten, tiefen Stimme "Schalke" zu schreien und alle wissen, was er von ihnen erwartet. So laut wie es nur geht, antworten ihm alle mit "04" und im Bus erschallt nur noch der Vereinsname. "Das gleiche Spiel gibt es auch in der Arena, einfach grandios, wenn mehrere Tausend Fans das gleiche schreien und auch noch so zusammenarbeiten. Das ist das Größte!", erzählt der Schalke-Fan Martin Hölscher, und seine Augen fangen an zu leuchten .
Als der Bus Gelsenkirchen erreicht, springen alle von ihren Sitzen, denn sie betreten gleich ihr zweites "Wohnzimmer", die "Arena aufSchalke". "Endlich wieder hier!", ruft Stefan Hölscher, sucht seine Karten zusammen und steckt seinen Fotoapparat in seine Tasche. Die, "Eurofighter", meist mit einem Bier in der Hand, steigen aus und treffen auf dem Busparkplatz auch schon einige Bekannte. "Wir trinken zwar alle Bier, sowohl im Bus als auch im Stadion, jedoch war noch nie einer dabei, der sich richtig betrunken hat.
Das ist auch gut so, da auch immer einige Minderjährige mitfahren!", sagt Christiane Elverich, die gerade ihre Karte aus ihrem Rucksack holt und sich dann den anderen, fast ausschließlich blau-weiß angezogenen Schalker Fans anschließt, die zu der Arena, dem Schalker Stadion laufen. In der Arena ist auch diesen Samstag wieder eine gute Stimmung, und als das Vereinslied "Blau und Weiß, wie lieb ich dich" durch die Lautsprecher ertönt, singen alle 62.000 Schalker Fans mit, halten ihre Schals in die Luft, zeigen ihre Plakate und schwenken große Fahnen umher. Das Stadion wirkt wie ein Farbenmeer aus Blau und Weiß.
Das Publikum bejubelt die einzelnen Schalker Spieler, deren Vornamen der Stadionsprecher nennt. Darauf rufen die Fans den jeweiligen Nachnamen und reißen dazu einen Arm hoch. Kehrt ein Spieler nach einer längeren Verletzungspause wieder zurück oder leistete er in den letzten Spielen etwas Besonderes, begrüßen ihn die Zuschauer mit tosendem Beifall. Die Zuschauer kommentieren das Spiel. Ärger und Jubel, viele Gemütsschwankungen machen die Fans durch. "Du musst abspielen! Siehst du nicht, dass MPenza ganz frei steht?", schreit ein Fan, der sich über die Spielweise eines Spielers aufregt, lauthals in die Nordkurve. "Die kriegen heute ja mal wieder gar nichts hin!" Fällt das ersehnte Tor, schreien alle "Tor!" und fallen sich vor Freude in die Arme. Die Halbzeitpause brauchen sowohl die Spieler, als auch die Fans! "Egal, ob Schalke verloren oder gewonnen hat, nach dem Spiel feiern wir unsere Mannschaft, da sie immer ihr bestes gibt!", ruft Thomas Kersting und wedelt mit seinem Schal. Nach dem Abpfiff laufen die Schalker Spieler in die Richtung ihrer Anhänger und bedanken sich mit Applaus bei den Fans. Einige Minuten lang feiern die Fans ihre Spieler und die Spieler ihre Fans.

"Im Bus ist immer eine gute Stimmung!", erzählt "Mäkkes", der sich gerade eine Flasche Bier genommen hat und diese mit einem Feuerzeug öffnet. Das Hauptthema ist das eben gesehene Spiel. Es gibt einige Debatten über eventuelle Fehlentscheidungen eines Schiedsrichters, ein paar gute oder schlechte Leistungen einzelner Spieler, usw.

Gegen acht Uhr trifft der Bus wieder in Altenberge ein und mit leeren Getränkekisten verlassen die Schalker Fans den Bus. "Schade,dass es nur alle zwei Wochen ein Heimspiel gibt!", sagt Andreas Rolver.

Bibiane Niestegge